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Aufgabe eines Revisionsgerichts ist es neben der abschließenden Entscheidung von Einzelfällen auch und vor allem, allgemeine Grundsätze zur Auslegung und Anwendung des Gesetzes herauszuarbeiten, um so für die Einheitlichkeit der Rechtsanwendung zu sorgen. Darüber hinaus obliegt ihm die Fortbildung des Rechts. Vielen Entscheidungen des Bundesfinanzhofs kommt demgemäß grundsätzliche Bedeutung zu.

Alle Entscheidungen des Bundesfinanzhofs binden zwar unmittelbar nur die Verfahrensbeteiligten. Regelmäßig werden die Erkenntnisse des obersten Steuergerichts aber von den Gesetzesanwendern auf Parallelfälle übertragen. Dies wird noch dadurch verdeutlicht, dass die Finanzverwaltung zahlreiche Entscheidungen des Bundesfinanzhofs in ihre Steuerrichtlinien übernimmt, die für die Finanzämter verbindlich sind.

Gelegentlich verfügt die Finanzverwaltung allerdings einen sog. Nichtanwendungserlass. Das heißt, sie ordnet an, dass die Finanzämter die vom Bundesfinanzhof getroffene Entscheidung über den konkret entschiedenen Einzelfall hinaus nicht anwenden dürfen. Die Finanzverwaltung beabsichtigt dann in der Regel, ihre Rechtsauffassung in einem erneuten Gerichtsverfahren nochmals darzulegen und den Bundesfinanzhof zur Überprüfung seiner Rechtsprechung zu veranlassen. Kommt der Bundesfinanzhof im Rahmen einer neuen Entscheidung wiederum zu dem von ihm bereits zuvor gefundenen Ergebnis, wendet die Finanzverwaltung die nunmehr gefestigte Rechtsprechung grundsätzlich auf alle Parallelfälle an.

Es kommt allerdings auch vor, dass das Bundesministerium der Finanzen Einfluss auf den Gesetzgeber nimmt und Rechtsprechungsergebnisse durch Änderung des betreffenden Steuergesetzes korrigieren lässt.